In
römischer Zeit war Tholey ein wichtiger Knotenpunkt der Heeres-
und Handelsstraßen Trier - Straßburg - Basel und Metz -
Mainz. Bedeutende Tempelreste aus dieser Zeit wurden 1824 und 1825 im
Wareswald freigelegt. Seit Juni 2001 laufen die archäologischen
Ausgrabungen der Terrex gGmbH im Wareswald. Die bisherigen Funde
zeugen von einem gehobenen Lebensstandard der damaligen Bevölkerung.
So konnten Fußbodenheizungen und aufwändige Bäder
nachgewiesen werden. Die Münzfunde belegen einen Schwerpunkt der
Besiedlung im 2. und 3. Jh. n. Chr.
Dort,
wo sich heute die Abtei St. Mauritius erhebt, stand im 2. bis 4.
Jahrhundert n. Chr. eine römische Mansio, eine Poststation mit
Wohnräumen, Lagerhäusern und einer großen Badeanlage,
deren Grundmauern zum Teil bei der Restaurierung der Abteikirche
(1957 - 1959) freigelegt wurden.
Nach
dem Ende der römischen Periode, etwa in der ersten Hälfte
des 5. Jahrhunderts, kamen die Franken in unser Land. Neues Leben
entwickelte sich in den römischen Trümmern.
Die
älteste Urkunde, die Tholey erwähnt, ist das am 30.
Dezember 634 ausgestellte Testament des Diakons Adalgisel Grimo.
Diese älteste Urkunde des Rheinlandes ist nicht mehr im Original
vorhanden, sondern in einer leicht beschädigten, aber durchaus
glaubwürdigen Abschrift auf Pergament aus dem 10. Jahrhundert
und wird im Landeshauptarchiv Koblenz aufbewahrt. In diesem Testament
des fränkischen Diakons vermachte dieser u. a. seinen Besitz in
Tholey dem bischöflichen Stuhl zu Verdun aus Dank für die
ihm zuteil gewordene Erziehung. In diese Schenkung einbegriffen war
die Kirche in Tholey, die Grimo vermutlich erbaut hatte und mit
Klerikern besetzt hatte, die vom Bischof von Trier auf seine Bitte
gesandt worden waren. Vom Trierer Bischof erhielten diese auch das
zur Bereitung des Taufwassers benötigte heilige Öl.
Über
den Zeitpunkt der Errichtung eines Benediktinerklosters in Tholey
lassen sich nur Spekulationen anstellen. Auf Grund der Ausgrabungen
zwischen Juli 1957 und Dezember 1959 erhielt man Hinweise darauf,
dass um 750 das benediktinische Mönchtum in Tholey Eingang
gefunden hat. Der Grimo'schen Saalkirche wurde Mitte des 8.
Jahrhunderts eine Choranlage vorgebaut. Im Jahre 853 vermachte die
Gräfin Erkanfrida dem Kloster testamentarisch eine Schenkung,
wie denn auch der bei den Ausgrabungen gefundene Kreuzgang aus dem 9.
Jahrhundert den Nachweis erbringt, dass damals eine regelrechte
benediktinische Klosteranlage bestand.
Die
weitere Entwicklung hängt eng zusammen mit der Errichtung des
Archidiakonats St. Mauritius, vielleicht schon Anfang des 10.
Jahrhunderts. Das Archidiakonat Tholey wies anfänglich nur zwei
Dekanate auf: Wadrill und Merzig. Später kamen noch Remich
(Luxembourg) und Perl als Dekanate hinzu. Es hatte gegen Ende des 18.
Jahrhunderts in vier Dekanaten 154 Pfarreien zu verzeichnen.
Um
1260 legte ein verheerender Brand Kloster und Kirche in Schutt und
Asche. Von diesem romanischen Bau sind viele Kapitelle und Friesteile
erhalten. Diese hatte man einfach in den Fundamenten der um 1261
begonnenen gotischen Kirche verbaut. Es ist dies die jetzt stehende
Kirche, die mittlerweile auf mehr als 700 Jahre ihres Bestehens
zurückblicken kann. Die Vollendung der gotischen Anlage von
Kirche und Kloster erfolgte unter Abt Hugo (1264 - 1280).
Insbesondere
unter Abt Gerhard von Hasselt (1488 - 1517) nahm die Reform der Abtei
einen Aufschwung. Auf Grund seiner Verdienste kann er als einer der
bedeutendsten Äbte der Abtei Tholey bezeichnet werden.
1655
wurde die Abtei durch französische Truppen heimgesucht, wobei
vor allem das Archiv verwüstet wurde.
Unter
den Äbten Caspar de Roussel und Theobert d'Hame erhielt die
Abteikirche neue Altäre, einen neuen Boden und zwischen 1740 und
1750 eine neue Orgel, deren Empore und Prospekt heute noch stehen.
Der
letzte Abschnitt in der Geschichte der alten Abtei beginnt mit der
Französischen Revolution. Als die Revolutionsarmee ihre
Angriffskriege begann, rückten am 23. Februar 1793 französische
Truppen in Tholey ein, zogen sich aber, ohne das Kloster geplündert
zu haben, bereits am 22. Juli wieder zurück, nachdem der Herzog
von Braunschweig die Franzosen bei Pirmasens und Kaiserslautern
geschlagen hatte. Tholey wurde nun von den nachrückenden Preußen
besetzt.
Am
9. August rückten die Franzosen zum zweiten Mal ein und
plünderten die Abtei. Zahlreiche einheimische Bürger
beteiligten sich an dieser Plünderung und halfen bei der
Verbrennung des Klosterarchivs mit über 2000 Urkunden und Akten,
in der Meinung, mit der Revolution und dem Ende der alten
Herrschaftsverhältnisse breche ein goldenes Zeitalter ohne
Steuern und Abgaben an. Dass mit der Vernichtung dieser Unterlagen
die Entrichtung von Abgaben und Steuern kein Ende fand, sondern in
anderer und härterer Form weitergeführt wurde, wurde ihnen
schon bald darauf nachdrücklich klargemacht.
Am
7. Juli 1794 mussten die Mönche endgültig die Abtei
verlassen. Im Frieden von Basel am 5. April 1795 kam das ganz linke
Rheinufer an Frankreich und alle Kirchen- und Klostergüter
wurden zum Nationalgut erklärt.
Am
8. Dezember 1949 stellte der Heilige Stuhl durch ein Dekret die Abtei
des hl. Mauritius wieder her und am 23. April 1950 eröffneten
Mönche die Abtei St. Matthias in Trier unter Abt Dr. Petrus
Borne hier wieder das feierliche Chorgebet und das monastische Leben
im Sinne und Geist der Beuroner Kongregation.
Ich
möchte diese kurze Darstellung der Geschichte der Abtei Tholey
beenden mit dem Schlusssatz aus einem Vortrag von Prof. Dr. Franz
Staab mit dem Thema: "Wann beginnt die klösterliche
Tradition in Tholey : Eines der frühesten columbanischen
Töchterklöster war Tholey, das früheste Kloster auf
heutigem deutschen Boden überhaupt, gegründet lange vor dem
Entstehen des deutschen Volkes.
Rundgang
durch die gotische Abteikirche:
Die
Bauzeit der heute stehenden gotischen Abteikirche fällt in die
Jahre zwischen 1264 und 1320. Es ist eine querschifflose,
dreischiffige Kirche mit 6 Jochen und drei 5/8-Polygonabschlüssen
im Osten und dem wuchtigen 31 m hohen Westturm mit barocker Haube
(18. Jahrhundert).Die Maße im Innern der Kirche sind 47 m in
der Länge, 20 m in der Breite und 16 m in der Höhe.
Das
Hochrelief im Tympanon des Hauptportals stellt die Auferstehung
Christi dar. Christus tritt aus dem Grabe, dessen Deckel Engel
emporheben. Vor dem Sarkophag liegen zwei schlafende Wächter.
Die Gesichter der Engel sind leider wegen der starken Verwitterung
nicht mehr zu erkennen. Das Figurenportal dürfte von der Trierer
Liebfrauenbasilika beeinflusst sein, vielleicht wurde einer der dort
beschäftigten Meister, nach Abschluss der Trierer Portale um
1250, nach Tholey berufen. Die beiden seitlichen Portalstrebepfeiler
endeten in Fialen, an denen die Figuren des Erzengels Gabriel links
und der heiligen Jungfrau Maria rechts als Verkündigungsgruppe
angebracht waren. Nur der Engel Gabriel ist, wenn auch stark
beschädigt, bis heute erhalten geblieben und hat z. Zt. seinen
Platz in der Chorapsis gefunden.
Wenden
wir uns jetzt dem barocken Glanzstück der Abteikirche zu, der im
Turmgeschoß vermutlich im Jahre 1739 unter Abt Theobert d'Hame
errichteten Orgelempore. Der Einbau erfolgte nach Plänen des
Klosterbaumeisters Christian Kretzschmar, dem Architekten der Abtei
Mettlach. Der barocke Orgelprospekt in zwei Geschossen, eingefasst
von großen Pfeilentürmen mit geschnitzten Laubwerkranken,
mit denen Engel musizieren, wird von der Gestalt des Harfe spielenden
König Davids bekrönt.
Bei
feierlichen Anlässen, wie z.B. an Weihnachten, dreht sich ein
Zimbelstern. Die Orgel aus den Werkstätten der Firma Oberlinger
in Windesheim bei Bad Kreuznach setzt sowohl in der Registrierung,
als auch in ihrer mechanischen Anlage die Tradition der
ursprünglichen Barockorgel fort. Die Orgelempore trägt als
Schlussstein das Wappen von Abt Theobert d'Hame.
Wir
möchten die Besucher hinweisen auf die alljährlich ab
Ostern stattfindenden Orgelkonzerte, die von international
anerkannten Künstlern gestaltet werden.
Kirche
und Klostergebäude unterlagen bis in unsere Tage ständigen
Veränderungen. Ein Kreuzgang auf der Südseite ist durch die
Umbauten der Klosteranlage verschwunden. Einen neuen Platz gefunden
hat, nach erfolgreicher Restaurierung, das Grabmal der Johanna von
Niedbrücken, einer Gönnerin der Abtei, die 1574 verstarb.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass sich Adlige der Gegend bemühten,
in der Obhut der Abtei bestattet zu werden, so wie das auch in
anderen Klöstern üblich war.
Das
durch Kriege gekennzeichnete 17. Jahrhundert hat begreiflicherweise
in Tholey so gut wie keine Bildwerke hinterlassen. Doch wird ein
kleines, ikonographisch bemerkenswertes Steinrelief aus dieser Zeit
stammen. Es ist eine hl. Dreifaltigkeit in Form des Gnadenstuhles in
derb-volkstümlicher Art.
Die
von Pater Bonifatius Köck OSB gestalteten neuen Kirchenfenster
vereinigen Symbole des Alten Testamentes und Zeichen des Martyriums
Christi.
Im
Seitenaltar des südlichen Nebenchores befinden sich hinter einem
hölzernen Antependium ein kupfervergoldeter und versilberter
Schrein aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts mit den Reliquien des hl.
Mauritius, Patron von Kirche und Kloster, der jährlich zum
Patronatsfest am 22. September und bei hohen kirchlichen Festen
ausgestellt wird. Die Reliquien wurden im Jahre 920 von Verdun
hierher gebracht. Das hölzerne Chorgestühl im Hauptchor aus
dem Jahre 1704 besticht durch die Lebendigkeit der 14 Hermenkonsolen
- sieben auf jeder Seite - Pflichten des mönchischen
Tagesablaufs symbolisierend: Unterricht, Predigt, hl. Lesung.
liturgisches Gebet, persönliches Gebet, Stillschweigen,
Gärtnerarbeit, Gleichmut und Schlaf.
Im
Chorhaupt, wie bereits im Zusammenhang mit dem Portal erwähnt,
der Engel von Tholey, Gabriel. Sein überirdisches Lächeln
entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine Laune des
Verwitterungsprozesses; zumindest das Schriftband, auf dem einst die
Worte "Ave Maria gestanden haben können, und die
Gewandfalten sind noch einigermaßen gut erhalten. Der Engel
steht vor der Fiale, die einst am Hauptportal angebracht war.
Im
südlichen Nebenchor steht an der linken Seitenwand eine
reich geschnitzte, jedoch derbe Madonna auf der Mondsichel, wohl
spätbarock. Sie hat - wie zahlreiche andere Gegenstände
auch - mit der ursprünglichen Kirchenausstattung nichts zu tun.
Es handelt sich vielfach um spätere Schenkungen, wie z.B. auch
die Ikone am nördlichen Turmpfeiler die in das 14. Jahrhundert
datiert wird.
In
Tholey wurde ein Stilprinzip verwirklicht, das sich in der
Bettelordensarchitektur des 13. Jahrhunderts im deutschen Kulturraum
findet und das weitgehend auf den Reichtum der gotischen Bauzier
verzichtet. Beweis dafür sind die schlichten Tholeyer Formen der
Kelchkapitelle und der Basen. Lediglich die Kapitelle des
Turmgeschosses, die Gewölbeschlusssteine und das Nordportal
machen hiervon eine Ausnahme.
In diesem Kloster lebt
eine Gemeinschaft von Mönchen, die ihr Leben nach der Regel des
hl. Benedikt ausrichten. Ihr Leben ist wesentlich ein kontemplatives
Leben der Gottsuche.