Influenza

 
 

Lage

 
 

Pinnwand

 
 

Links

 
 

Notdienste

 
 

Humor

 
 

Tholey

 
 

Überblick

 
 

Start-Seite

 
 

Privat

 

Ägypten
Jordanien
Marokko
Syrien


Pyramiden von Gizeh
 
 

Dr. Hasler - Dr. Hasler-Hepp

Tholey

 

Dorf in Oberägypten
 

 

Ägypten

Ägypten ist ein wundervolles Kulturland. Angeblich findet man hier etwa ein Drittel des Weltkultur-Erbes. Andererseits gibt es erhebliche Bevölkerungsprobleme. Das Wirtschaftswachstum kann mit dem Bevölkerungswachstum kaum mithalten.

Der Straßenverkehr der Hauptstadt Kairo hat das Chaos zu einer von mir weder früher noch später jemals wiedergesehenen Form perfektioniert. Die rot-gelb-grünen Lichterspiele an den Kreuzungen beeindrucken keinen Fahrer. Dennoch: es passiert so gut wie kein Unfall. Die für uns nicht sichtbaren Gesetze des Straßenverkehrs scheinen sehr gut zu greifen.

Das berühmteste Symbol Ägyptens, die Pyramiden von Gizeh werden auf Bildern meist so dargestellt, als ob sie weit draußen in der Wüste stünden. Natürlich stehen sie in der Wüste. Der Übergang vom fruchtbaren Niltal zur Wüste vollzieht sich hier auf wenigen Metern. Die Stadt Gizeh ist an die Pyramiden bis auf wenige hundert Meter herangerückt.
 
Unvergessen sind die Tempelstädte Luxor und Karnak, der Tempel von Abu Simbel und vieles andere mehr.
 
Am Taucherparadies in Hurghada am Roten Meer hat mich am meisten der auf- bzw. ab-landige Wind über Tag und in der Nacht überrascht. Physikalisch gesehen ist das an einer heißen Wüsten-Meer-Grenze nicht verwunderlich. Abends und morgens gab es beim Umschlag der Temperaturdifferenzen etwa eine Stunde Windstille.
 
Vom Internet finden Sie einen Einstieg über Ägypten Egypt WWW Index und
Egypt Information Highway. Die Endung der ägyptischen Seiten (entsprechend .de bei deutschen Seiten) heißt .eg.
 
Mit geringen Einschränkungen kann man Radio Kairo in den Abendstunden empfangen, u.a. auch in Deutsch. Da sich auf der Frequenz 9990 auch China tummelt, ist hier mit Störungen zu rechnen. Im Internet finden Sie Radio Kairo auch auf www.sis.gov.eg/vidaudio/html/audiofm.htm
E-Mail: radiokairo@aol.com
 
Lesestoff:
Einen kurzweiligen Einstieg in die alten Gewohnheiten und Probleme zur Zeit der Pharaonen finden Sie in sogenannten historischen Romanen, die zum Teil sehr gut recherchiert sind.
„Die Herrin vom Nil“ von Pauline Gedge beschreibt mehr die inner-ägyptischen Probleme anhand der Pharaonin Hatschepsut. (rororo).

„Sinuhe der Ägypter“ von Mika Waltari beschreibt das dramatische Leben eines Arztes in Ägypten. Besonders gefallen hat mir die Schilderung größerer Volksschichten als auch die Reise in nördlich angrenzende Länder wie Syrien, Mesopotamien, das Reich der Hetither (etwa heutige Türkei) und Kreta mit der minoischen Kultur.
 
Und zum Schluß noch ein Erlebnis, das mich sehr beeindruckt hat.
 

Arztpraxis in Ober-Ägypten

oder

Wie man mit minimalen Mitteln Wunder bewirken kann

Meinen an Eindrücken stärksten Urlaub habe ich in Ägypten verbracht. Ein starkes medizinisches Erlebnis möchte ich hier wiedergeben.
 
Die beiden Städte Karnak-Luxor gehen nahtlos ineinander über und verfügen über eine der reichsten Kulturgüter-Ansammlungen Afrikas. Insgesamt wohnen hier 160 000 Einwohner. Die Lebenserwartung der Ägypter wird derzeit mit 58 Jahren angegeben (Deutschland knapp 80 Jahre).
 
Auf dem Rückweg von der letzten Besichtigung stürzte eine ältere Dame unserer Reisegruppe die Treppe hinunter und überschlug sich mehrmals. Die Nase blutete sehr, der weitere Check ergab den dringenden Verdacht auf einen Unterarm-Bruch links, evtl. noch Brüche an beiden Sprunggelenken. Wir legten eine Unterarm-Schiene mit einem zweigeteilten Bambusstab an und tamponierten die Nase.
 
"Wo ist der Krankenwagen! Warum wurde der noch nicht gerufen?"
Fehlanzeige! - Gibt es nicht!
"Notarzt und Kliniktransport!" - auch das gibt es nicht - bei einer Stadt mit 160000 Einwohnern!
Der Reisemanager klärte uns auf: "Ich habe ein Taxi gerufen und dem Fahrer erklärt in welche Privatpraxis er fahren soll - nur so, auf keinen Fall anders!"
"Ja ...., und warum nicht in die Klinik?"
"Machen Sie wie ich gesagt habe - sie werden schon merken warum!"
Der Mann wußte offensichtlich wovon er sprach. So fuhren wir los.
 
Zunächst ging es durch die besseren, dann in die ärmeren Viertel - "Wahrscheinlich nur eine Abkürzung" - dachte ich. Plötzlich hielt das Fahrzeug auf einer nicht befestigten, lehmigen Straße. Draußen war es abends schon dunkel geworden. Ein Blick aus dem Fenster: kein Stau - man bedeutete mir, wir seien am Ziel. "Hier, in diesem Dreck?" dachte ich mir. "Alle bleiben sitzen und ich kläre die Praxis erst mal ab". Die Situation sollte nicht noch verschlimmert werden.
 
Durch ein dunkles, offenes Tor in der geschlossenen Häuserfront gelangte ich in einen Vorraum mit zwei Holzbänken - so, wie ich es noch von den alten Eisenbahnzügen kannte. Geradeaus ein weiterer, noch dunklerer Raum, kaum größer als die Grundfläche eines Bettes. Dort lag ein Kind auf einer Pritsche und zwei Jugendliche spielten mit ihm. Die Wände, der Boden, alles war schrecklich heruntergekommen, dunkel und ..... schmutzig. Sauberkeit kann in diesem dem Umfeld nur relativ hergestellt werden.
 
Nach links führte der Weg in einen helleren Raum. Hinter einem großen, nicht aufgeräumten Schreibtisch saß ein sehr freundlicher, lachender und wohlbeleibter Herr meinen Alters - der Praxisinhaber Dr. Emad F. Milek. Die Situation hatte er sofort verstanden. Da er - völlig im Gegensatz zu den Räumlichkeiten und dem Inventar - einen kompetenten und sicheren Eindruck machte, stimmte ich dem Ganzen zu. Die verletzte ältere Dame wurde von uns auf einem Stuhl aus dem Taxi in das Sprechzimmer getragen.
 
Dieser Raum - das merkte ich erst jetzt allmählich - war das Herz dieser kleinen "Wunderklinik". In der Ecke stand eine Röntgen-Anlage. Sie sah aus wie ein "Kleiderständer mit einem Stromkabel". Der Stecker einer Operationsleuchte wurde aus einer der beiden verfügbaren Steckdosen entfernt und die "Röntgen-anlage" bestromt.
 
Da mir die Einhaltung der Strahlen-Schutzbestimmungen hier nicht gegeben schien, habe ich mich während des Röntgens mit dem Ehemann der verunglückten Dame in den Vorraum begeben. Die Röntgen Bilder waren von ausgezeichneter Qualität. Es zeigte sich der vermutete Unterarmbruch links, die Sprunggelenke waren nur geprellt - nichts gebrochen.
 
Der Kollege, Spezialist für orthopädische Chirurgie hatte bereits einen Anästhesisten bestellt. In der Wartezeit zeigte er mir stolz Röntgenbilder von offen operierten Hüftkopf-Nagelungen, Oberschenkel- und Unterschenkel-Plattungen und den kompletten Splitterbuch des Unterschenkels eines sechsjährigen Jungen, der vor zwei Tagen vom Auto überfahren worden war. Die Haut des Jungen war vom Kochen offen durchspießt. In Deutschland wäre dies die Aufgabe einer speziellen Knochenklinik. Die Knochen des Jungen waren mit einem "Fixateur extern" stabilisiert worden. Der Junge lag im Vorraum - ich hatte ihn beim Hereinkommen mit seinen beiden Brüdern gesehen.
"Ja, und in welcher Klinik haben sie das operiert?" fragte ich entgeistert. Der Kollege grinste nur breit und zeigte voller Stolz auf die schäbige Liege, bei der der Bezug sich zum Teil schon gelöst hatte. Während mir der Mund weit offen blieb, kreisten oben unter der Decken-Hängelampe die Stubenfliegen, der Boden und die Wände schrieen nach Reinigung und neuen Platten.
 
Ich besuchte den Jungen im Vorraum, verständigte mich soweit möglich mit den Angehörigen, und sah, daß alles seine Ordnung hatte.
 
Der ebenfalls sehr freundliche Anästhesist kam, fühlte den Puls, hörte die Patientin durch die Kleider ab - und gab mit viel Erfahrung und Können langsam Pentobarbital. Soweit noch Zeit blieb, klärte ich die Patientin angemessen über die kommenden Dinge auf. Sie schlief schnell ein, ich überwachte die Atmung - soweit möglich. Vorher wurde kein Blutdruck gemessen, kein EKG geschrieben, kein Lunge-geröntgt! Nein, hier nicht!
 
Als die Kurznarkose tief genug war, begann der chirurgische Orthopäde sein Kunstwerk. Er richtete die gebrochenen Knochen fast in Idealstellung auf, während ich den Oberarm fixierte. Sofort wurde der Gips aufgetragen - nach ca. 10 - 15 Minuten wachte die Patientin wieder auf. Das Röntgenbild zeigte ein hervorragendes Ergebnis.
 
Die weitere Betreuung der Patientin konnte ich mit eigenen Bordmitteln übernehmen. Zum Glück hatte das Ehepaar am nächsten morgen um vier Uhr ohnehin den Rückflug nach Köln gebucht. Die Versorgung und Organisation durch die Reisegesellschaft waren hervorragend.

 

Fragen:
Mußte die Frau sofort operiert werden?
Ja, sonst kann es zu Lähmungen und Knochenuntergang kommen.
 
Kosten?
Alles inklusive (Röntgen - Operation -Anästesie) 220,-DM!
 
Für mich ist Dr. Emad F. Milek ein Künstler und vielleicht ein Held. Er vollbringt unter Bedingungen von Lambarene kleine Wunder, die für viele das Überleben sichern. Alternativen gibt es nicht. Seine Begeisterung und Überzeugung für seine Tätigkeit konnte man in jedem seiner Worte spüren.


Feluke in Oberägypten