Dr. Hasler - Dr. Hasler-Hepp Tholey

Von Hausmitteln, Zaubertränken und vom Brauchen

Von jeher galt auch bei unseren Vorfahren die Gesundheit als hohes Gut. Um die Gesundheit wie­der herzustellen, wurden auf dem Lande Hausmittel angewandt, die sich von Generation zu Generation vererbt hatten.

Der Arzt wurde nur im äußersten Notfalle zu Rate gezogen, fast immer, wenn es zu spät und der Patient nicht mehr zu retten war. Daher kam es auch, daß man zum "Doktor" wenig Zutrauen hatte und auf seine ärztliche Kunst nicht viel hielt. Zudem kamen noch nachher als unliebsame Zutaten die hohe Ärzte­rechnung und die Kosten für die Medikamente, lauter Sachen, die man nicht gerne sah und denen man so viel als möglich aus dem Wege gehen wollte. Besonders für die teuren Medikamente hatte man einen ge­flügelten Satz geprägt, denn, hatte jemand irgend etwas zu teuer gekauft, so sagte man zu ihm: "Das hät­test Du auch in der Apotheke kaufen können."

Das alles waren für unsere Ahnen Gründe genug, um, so lange es ging, die Krankheiten mit Hausmitteln, mit "Brauchen" und anderen geheimnisvollen Zaubertränken zu vertreiben, die nicht viel Geld kosteten und als "probatum est" von den lieben Nachbarn angepriesen wurden. Daß diese Sachen auf die Dauer auch viel Geld verschlangen und in den wenigsten Fällen wirksam waren, spielte dabei keine Rolle. Die Hausmittel wurden auch vielfach von Hausierern, den sogenannten "Buckelapothekern" vertrie­ben. Sie hießen deswegen" Buckelapotheker", weil sie ihre Medikamente bzw. ihre Apotheke auf dem Rü­cken durch die Lande trugen. Meistens kamen sie aus Sachsen oder Thüringen und stellten sich jedes Jahr regelmäßig ein, um insbesondere ihre Stammkundschaft zu bedienen.

Fast in jedem Dorfe gab es auch jemand, der das "Brauchen" verstand. Meistens war es so, daß ein Mann das "Brauchen" am Vieh und eine Frau das "Brauchen" am Menschen verstand.

Josef Becker, der Schreiber eines Artikels über das Bauchen im Heimatbuch St. Wendel von 1962, kann sich aus seiner Kindheit noch einer Begebenheit erinnern, daß das Brauchen auch an ihm ausgeübt wurde. Er war als Kind nicht ganz gesund und kränkelte lange Zeit. Eines Tages nahm ihn seine Großmutter in ein Haus, woselbst er einen Schuh und Strumpf ausziehen mußte. Dann nahm die Frau des Hauses den entblößten Fuß, drückte die Zehe auf die Türangel und sagte dabei einige Worte, die er nicht verstand und auch nicht begriff, weil er noch zu klein war.

Vielleicht war es die Brauchformel, die Herr Pfarrer Lengler in seinem Buch "Aus verklungenen Ta­gen" neben anderen Formeln aufgezeichnet hat, die bei Krankheiten gebräuchlich war und folgenden Wort­laut hatte:

Hier steh ich zwischen Tür und Angel,

An meinem Fleisch und Blut hab ich Mangel.

Es gibt so viele falsche Zungen

Die mir mein Fleisch und Blut nicht gunnen.

Dies weiß auch mein Herr Jesus Christ

Daß mir mein Fleisch und Blut genommen ist.

+ + +

Im Nachstehenden einige Hausmittel und Brauchformen, die Herr Becker in alten Büchern und Akten gefunden hat, und die hier gebräuchlich waren.

Universalmittel

"Eine grüne Flasche mit engem Hals

Ein alter halben Schoppen Wein

ein halb viertel gelben Zucker

ein halb Muskaten Nuß

vor 4 Kreuzer ganzen Safran

für zwei Kreuzer Muskat Blüten

für zwei Kreuzer Rosemari Blüten

für zwei Kreuzer Zimmt

für zwei Kreuzer Zucker Rosinen

für ein Kreuzer Nägelcher Köpf

für ein Kreuzer Nägelchen Gewürz und

für ein Kreuzer Kümmel.

Dieses wird alles rein gestoßen und kommt in den halben Schoppen Wein und wird in einem Brot im Backofen gesieden.“

Vor blöde Augen und Ohren

Nimm ein rein Blatt von Zinn oder Kupfer, beräuchere es, schreibe darauf mit Milch von einer Frau, so ein Knäblein geboren und den 7. Tag im Kindbette liegt, also:

"Ein Ohr, daß da höret, ein Auge daß da sehet, werden beide von Adonay gemacht."

Lasse es von sich selbst trocknen, dann wische es ab mit reinem Mandelöl, salbe damit die Augenlider oder lasse es in die sausenden Ohren tropfen, tue es sieben Tage, siebenmal am Tage und Du wirst Wunder er­leben.

Vor das Grümmen

Nimm rein Wachs, mache daraus ein siebeneckiges Täflein, darauf schreibe diese Worte:

„Fürchte Adonay und lasse vom Bösen, das wird sehr gesund sein deinem Nabel und deinen Gebeinen wohl bekommen.“

Danach räuchere es 7 Morgen allezeit vor Sonnenaufgang und trage es an dem Hals oder binde es auf den Leib.

Für die Gelbsucht bei Menschen

Nimm Holderwurzeln, die mittlere Rinde, schabe sie und siede sie und gib den Menschen alle zwei Stunden zwei oder drei Eßlöffel voll und 6 Morgen und Abend hintereinander.

Vor Blutreinigung und Mutterweh

1) Sesennehren, alve und Lerchen Schwamm

2) weißen Kamper, jedes Stück 2 Kreuzer

3) Mutter Näglein und für 2 Kreuzer Mangan

4) Liebergall.

Wird mit etwas Branntwein angesetzt.

Um gestohlenes Gut wieder zu bringen

Schreib auf 2 Zettelchen folgende Worte, lege das eine über die Tür und das andere unter die Türschwellen, so kommt der Dieb am 3ten Tag und bringt den Diebstahl:

„Abraham + hat gebunden, Isac + hats erlöst, Jakob + hats heimgeführet, es ist so fest gebunden als Stahl und Eisen, Ketten und Banden. + + +.“

Nochmals gestohlenes Gut wieder zu bringen

So nehme ein Bröckele Brot, spratele Salz und ein Prösamle Schmalz. Das lege alles ins Feuer und sprich:

„Das lege ich in das Feuer und Glut, vor deiner Sünd und Übermuth. Das Schmalz soll machen, daß Dir müssen die Adern krachen; das Salz soll Dir zu wehe kommen, daß Dir muß Deine Zung verkrümmen, das Brot soll Dir so wehe tun, als wenn Dich ankam der bittere Tod.“

Im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes, und Gottes des hl. Geistes. 3 mal gesprochen, so ist der in der Zeit von 3 X 24 Stunden da. Man heißt ihn in Gottes Namen weiter gehen.

Ein Feuer zu löschen; wenn es brennt

Laufe 3 mal um das Feuer herum und sprech:

„Feuer, du heiße Flamm, dir gebeut Jesus Christus der werthe Mann. Du sollest stille stehen und nicht weiter gehen im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes und Gottes des hl. Geistes. Amen.“

Zauberformel

Wenn einer Kuh den Nutz genommen und man diese Person, so ihn genommen, zeigen will.

Gehe an dem Tag Demetrius in einen Kramladen, kaufe einen Stahl, wie man ihn bietet, so mußt ihn bezahlen und an diesem Tag auch schmieden lassen. Der Stahl muß viereckig sein und eine Spanne lang sein, so dick als wie ein Zollstab und was der Schmied fordert, mußt Du ihm bezahlen.

Morgens früh nimm Milch von der Kuh in Gottes Namen, ehe sie ihr von den bösen Leuten ge­nommen wird. Hernach nimm die Milch und tue sie in ein Geschirr. Dann nimm eine hölzerne Zange und ziehe den Stahl aus dem Feuer, tue ihn so lange in das Geschirr wo die Milch ist, bis die Milch an dem Stahl aufgetrocknet ist. Läßt Du die Milch völlig auftrocknen, so muß die böse Person sterben, wenn Du aber die Milch nicht ganz antrocknen läßt, so bekommt sie Blattern an Händen und Gesicht, daß sie lange Zeit vor keinem Menschen gehen darf.

Probatum.

Ames Spiritus und Fichtenöl verzehret das geronnene Blut und auch das Weh in dem Kreuz. Darbei müssen die beiden Öl in einer schweinernen Blase auf den Schaden gelegt, ist probat.

Um die Mauch zu vertreiben, wurde folgendes gemacht:

Ein Mann, der es verstand, strich 3 mal über den Rücken des Tieres und sprach dann folgendes:

„Gute Morje Mauch

In aller Frieh

Wehe Deiner sen ich hie

On de Mangel on de schwer Leid sollschte kriehn

Wenn de net gehschst von dem Steck Vieh.“

Wenn ein Pferd sich nicht beschlagen lassen will, so sprich ihm ins rechte Ohr:

„+ Kaspar hebe dich,

+ Melcher binde dich

+ Balthas stricke dich + + + .

Dies kann man auch gebrauchen, wenn einem ein Stück Vieh durchgeht, oder ein Wild stellen will, so darf man nur beim letzten Namen sagen:

„Balthas führe dich zurück, wohin man es haben will.“

Quellenangabe: Aus alten Akten und aus dem Buch: "Aus verklungenen Tagen" von Pfarrer Lengler (Birkenfeld).