30.04.1834 Geburt
von Albrecht Meydenbauer in Tholey, vier Monate nach dem Tod
seines V
aters. Sein Vater, Landarzt, verstarb im Dez. 1833 an
einem Nervenleiden. Sein älterer Bruder Wilhelm (geboren
1832 in Tholey, 1906 in den USA, Seattle) wanderte 1850 nach
Amerika aus, führte ein unstetes Leben, kehrte 1857
vorübergehend zurück und ließ sich schließlich
in Seattle nieder, wo er eine Bäckerei betrieb. Er wurde dort
recht einflussreich und gilt heute als der Gründer und Pionier
der Stadt Bellevue, einem Stadtteil von Seattle. (Meydenbauer
Yacht Club, Meydenbauer Bay). Unter dem Stichwort William
Meydenbauer finden Sie in allen Suchmaschinen weitere Hinweise
auf die Bedeutung und Wertschätzung in Seattle.
1838 Die Mutter
bekam eine Stellung als Lehrerin und sicherte den Lebensunterhalt.
6.-11. Lebensjahr:
Besuch der evangelischen Elementarschule in Trier.
1844 Lernte Albrecht
Meydenbauer den Maler Gustav Lasinsky kennen, der einen großen
Einfluss auf sein Kunstgefühl ausübte.
1848 Wechsel zum
Realgymnasium in Trier
1854 Wechsel zum
königlichen Gewerbe-Institut in Berlin
1857 Aufnahme der
Nikolaikirche in Brandenburg als Prüfungsarbeit
8. Mai 1858
Staatsprüfung als Regierungs-Bauführer. Schon vor der
Staatsprüfung bestellte man ihn zur Aufnahme des Domes in
Wetzlar; diese Berufung wurde entscheidend für sein ganzes
späteres Leben Bei Messarbeiten stürzte er beinahe in 25 m
Höhe ab. Dieser Sturz veranlasste ihn, darüber
nachzudenken, ob das Messen von Hand nicht durch Umkehren des
perspektivischen Sehens, das durch das fotografische Bild
festgehalten wird, ersetzt werden kann. Dieser Gedanke war der Vater
des Messbild-Verfahrens.
Oktober 1858-1862
Bauführer-Tätigkeit zuerst in Colberg, später in
Erfurt
1859 Eintritt zum
Einjährigen-Dienst im Pionier-Bataillon in Erfurt, während
der Mobilmachung.
1862 - 1864
Privatdienste
1864 Vernachlässigte
seine Laufbahn als Baubeamter, andererseits arbeitete er ohne
Unterlass an dem damals noch namenlosen Messbild-Verfahren., dem er
1867 den später weltweit üblichen Namen Photogrammetrie
gab.
1870
Einberufung in die Armee, Genehmigung zu fotogrammmetrisch
Probeaufnahmen auf Kosten des Kriegsministeriums.
1870-1871 Eisenbahn
Streckenplanung und Bau in Frankreich. Juni 1871 Rückkehr aus
der Armee.
Versetzung nach Cochem zu
Vorarbeiten der Moselbahn zwischen Koblenz und Trier.
Sommer 1872 Aufnahme
der Castor-Kirche in Koblenz.
Frühjahr 1875
Kreisbaumeister in Iserlohn und Meschede
1. Juli 1879
Bauinspektor und Universitätsarchitekt in Marburg erbaute in
Marburg das Chemische Institut, das Physiologische Institut, die
Augen- und Medizinische Klinik.
1. April 1885
Berufung nach Berlin und Ernennung zum Doktor phil. h. c. der
Universität Marburg
Herbst 1887
Ausstellung von Messbild-Aufnahmen. Vortrag über Messbild-Kunst
vor der Kaiserin-Mutter
und dem gesamten Hofstaat. Durch seine Erfolge bekannt, kam es zu
der Berufung, der Aufnahme der gewaltigen Ruinen von Baalbek (heute
Libanon nahe der Grenze Syrien, damals Osmanische Reich) mittels
Messbild-Technik. Auf der Reise nach Baalbek Aufnahme der Hagia
Sophia in Konstantinopel. Diese sehr erfolgreiche Reise war der
persönliche Höhepunkt seines Lebens.
1908
Ernennung zum Dr. Ing. e.h. Von der Technischen Hochschule Hannover.
1909 ging
Meydenbauer hoch geehrt in den Ruhestand.
Seine Entlassungsurkunde
war unterschrieben von Kaiser Wilhelm II. Albrecht Meydenbauer starb
1921.
Sein Archiv (Katalog)
mit rund 20.000 Negativen von Gebäuden und Denkmälern in
ganz Europa befindet sich heute im
Brandenburgischen
Landesamt für Denkmalpflege in 15838 Waldstadt, Wünsdorfer
Platz 4. Es war die wichtigste Quelle für den Wiederaufbau
vieler Kirchen in Berlin nach dem 2. Weltkrieg. Hier fanden wir die
ältesten 16 Außenaufnahmen von Tholey aus dem Jahre 1886.
Unter dem Stichwort Albrecht Meydenbauer finden Sie im
Internet weitere Hinweise auf Literatur.
Ich bedanke mich an dieser
Stelle sehr herzlich bei Herrn Prof. a. D. Dr.-Ing. Jörg
Albertz (
TU
in Berlin ) an
dieser Stelle für seine Unterstützung und Hinweise bei der
Aufbereitung der Daten von Albrecht Meydenbauer. (März 2003)