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Geschichte der Narkose

 

Am 16.Oktober 1846 leitete der Bostoner Chirurg J. C. Warren nach der Operation eines narkotisierten Patienten den Siegeszug der Anästhesie rund um die Welt ein.
Der Zahnarzt W. T. G. Morton ließ einen Patienten 3 Minuten lang Luft aus einem Glaskolben einatmen, in dem ein äthergetränkter Schwamm lag. Der Patient schlief ein und Warren schnitt den Tumor in wenigen Minuten heraus. Der Patient stöhnte am Ende der Prozedur, aber nach dem Aufwachen gab er an, keine Schmerzen gehabt zu haben.
Ein Ende der unsäglichen Qualen war in Sicht, die Chirurgen seit Jahrtausenden ihren Patienten zumuteten.
Bis in das 19.Jahrhundert konnte ein Kranker nur hoffen, möglichst rasch während einer Operation in Ohnmacht zu fallen. Alle bisherigen Betäubungsmethoden waren sehr unbefriedigend.
Man versuchte es mit
"Schlafschwämmen" und betäubenden Getränken aus
  • Mohn,

  • Schierling,

  • Bilsenkraut und

  • Mandragora.
Weiterhin
  • drückte man die Halsschlagader ab,

  • führte dem Kranken durch Aderlässe ausgiebige Blutverluste bis

  • zur Bewusstlosigkeit zu, man

  • verwendete alkoholische Getränke oder

    hypnotisierte den Patienten.

Die moderne Anästhesie fußte auf einer anderen Entwicklung. Der Schlüssel dazu lag in der chemischen Identifizierung von Gasen am Ende des 18.Jahrhunderts. Um 1800 breiteten sich "Lachgas- und Äther-Partys" in den angelsächsischen Ländern aus.
Der Landarzt Crawford Long in Georgia beobachtete auf Äther-Partys, dass kleinere Verletzungen von Berauschten zu keiner Schmerzreaktion führten. Ab 1842 führte er kleinere Operationen in Äthernarkose aus, ohne die Ergebnisse zu veröffentlichen. Immer wieder machten sich besonders Zahnärzte dieses Verfahren zunutze. Allgemeine Anerkennung konnte dieses Verfahren aus zwei Gründen nicht finden: die Methode war neu und in Ihren Wirkungen noch nicht ganz erforscht. Erst Morton war es gelungen, einen halbwegs zuverlässigen Narkoseapparat zu entwickeln. 1846 musste er die Natur des von ihm geheim gehaltenen Gases bekannt geben. Bereits ein Jahr später hatte sich die Äthernarkose in Europa durchgesetzt.
Doch bald geriet die Äthernarkose ins Hintertreffen, da unangenehme Nebenwirkungen nicht ausblieben. Im November 1847 wurde in Edinburgh die erste Geburt mit Chloroform vorgenommen. Prominenteste Patientin war 1853 die englische Königen Victoria. Trotz der immer wieder vorkommenden Todesfällen blieb die Chloroformnarkose für Jahrzehnte die Methode der Wahl.
Erst mit Beginn der kontrollierten, planbaren Narkose konnte die Chirurgie den steilen Aufstieg bis heute nehmen. Eine Tätigkeit als Rettungsarzt wäre heute ohne kurzwirksame und nebenwirkungsarme Narkotika nicht möglich. Heute werden immer mehrere Medikamente/Stoffe miteinander kombiniert.
Wer den "MEDICUS" gelesen hat, weiß, dass eine Blinddarmentzündung, die heute eine operative Bagatelle ist, damals immer tödlich verlief.
Blasensteine wurden mit den abenteuerlichsten Instrumenten unter großen Schmerzen entfernt, weil sie sonst infolge einer inneren Vergiftung fast immer zu einem qualvollen Tod führten.