Die Bedeutung der Straßennamen im Ort Tholey
Stand: 21. November 1995

Verkehrsverein 1828 Tholey e. V.

Vorwort
Viele Straßennamen in Tholey erscheinen falsch oder eigenartig. Immer wieder werden Adressen in der Spor-straße in Sport-straße geändert, weil niemand etwas mit Spor anfangen kann. Sport ist modern und in jedermanns Munde. Also wird der Name flink verbessert und alles hat wieder seine gewohnte Ordnung. Leider ist das falsch.
Hinter Peter-Mönch-Weg scheint schon etwas Sinnvolleres zu stecken, nur wer sagt mir das? Am Schild steht es leider nicht - so wie in manchen anderen Orten.
Da ich als Arzt oft Hausbesuche mache und auf diesem Weg mit mit allen Straßennamen konfrontiert werde, habe ich den Versuch unternommen, den Tholeyer Straßennamen auf den Grund zu gehen. Dabei habe ich mich bemüht, die Namens-Bedeutung so knapp wie möglich darzustellen. Über die Scheichhauser Straße kann z.B. man Bücher füllen. Wenn der Straßenname selbst nicht viel hergibt, habe ich etwas von der Geschichte der Straße einfließen lassen. Beispiele hierfür sind die St. Wendeler und die Trierer Straße.
 
Tholey hat in der Vergangenheit das Glück gehabt, bei der Vergabe der Straßennamen die eigene Ortsgeschichte einfließen zu lassen. Im Historischen Museum Tholey am Rathausplatz 6 (Postgebäude) fallen schon einige Namen wie Olga Schwind, Albrecht Meydenbauer und Peter Mönch.
 
Straßenverzeichnis
 
Abteistraße
Die Abteistraße führt von Westen zur Benediktiner-Abtei.
 
Alsweilerstraße
Die Alsweilerstraße ist die Abkürzung zwischen der Dirminger und der St. Wendeler Straße nach Alsweiler. Vor der Gebietsreform 1974 hieß sie Gartenstraße. Durch diese Reform mußte wegen eines doppelten Namen ein neuer Name gefunden werden. Da die meisten Bewohner der Gartenstraße enge familiäre Beziehungen zum Nachbarort Alsweiler hatten, konnte man sich schnell auf den Namen Alsweilerstraße einigen.
 
Am Schanzgraben
Dies war der Weg vom und zum Schanzen auf die Burg. Die Tholeyer Leibeigenen mußten als Fronarbeit die Schanzarbeiten an der Burg verrichten (siehe auch Abriß der Geschichte von Tholey und der Schaumberg-Region). Als kürzester Weg zurück in den Ort galt der direkte Weg auf einer Art Rutsche.
 
Am Schaumberg
1585 war diese Straße als "Die Hohl" bekannt. 1714 nannte man sie "bey der Tholeyer Holen". Dies war ein alter Weg von Theley nach St.Wendel, der durch seine jahrhundertelange Benutzung zum Hohlweg wurde.
 
Am Weiher
Diese Straße liegt unmittelbar neben dem größten Tholeyer Weiher und Feuerlöschteich. Früher hieß diese Straße "Auf den Hofen", genannt nach einem Geländestreifen, der östlich der heutigen St. Wendeler Straße bis an den Friedhof verläuft. Er bedeutet soviel wie Land bei den Höfen. Am Weiher finden Sie heute unsere Präzisions-Sonnen-Uhr. Im Weiher leben seit Jahren wild Schildkröten, die im Sommer auf den Öffnungen der alten Pumpanlage mitten im Weiher ein Sonnenbad nehmen.
 
Auf Rodert
Auf Rodert ist ein seit 1788 bekannter Flurname. Durch die Rodung von Wald wurde hier Land für Ackerbau gewonnen.
 
Bahnhofstraße
Die Bahnhofstraße führt zum ehemaligen Bahnhof (419 m über NN) von Tholey, der von 1915 bis 1983 genutzt wurde. Die alte Bahnlinie von St.Wendel nach Tholey verlief auch durch einen heute zugemauerten 450 Meter langen Tunnel unter der Verlängerung der Varuswaldstraße. Die geplante Untertunnelung von Tholey auf weitere 400 Meter nach Lebach hin wurde durch den Beginn des Ersten Weltkrieg nicht mehr verfolgt.
 
Benediktstraße
Die Straße ist benannt nach dem heiligen Benedikt von Nursia (480 - 547). Er ist der "Patriarch des abendländischen Mönchtums". Das von dem fränkischen Adeligen Grimo (auch Adalgisel genannt) in Tholey gegründete Kollegial-Kloster wurde um oder nach 700 in ein Benediktinerkloster umgewandelt. Die Benediktiner (lat. Ordo Sancti Benedicti; Abk. OSB) sind alle Mönche der katholischen Kirche, die nach den Regeln des hl. Benedikt von Nursia leben.
 
Bergstraße
Die Bergstraße führt zum Schaumberg (569 m über NN). Vor der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 hieß sie "Im Matzenecken". Hier wurde die ehemalige alte Volksschule gebaut (heutiges Freizeithaus).
 
Dirminger Straße
Die Dirminger Straße (L 303) ist eine Höhenstraße, die von der St. Wendeler Straße nach Dirmingen führt. Das Verzeichnis "Naturdenkmäler und Landschaftsschutzgebiete im Saarland" vom 6. Mai 1952 weist die an dieser Straße gelegenen 4 Eichen, die sogenannten "Unner-Eichen", als Naturdenkmal aus. Sie sind mit ca. 550 Jahren die älteste Baumgruppe des Saarlandes. Der Begriff „Unner“ aus „Unner-Eichen“ ist ein Relikt der alten offenen Schweinezucht. Die Schweine hatten unter den Eichen nach nahrhaften Eicheln gesucht, man sagte auch: „Heute haben die Schweine wieder gut geunnert“.
 
Doktor-Adenauer-Straße
Diese Straße hieß früher Parallelstraße. Mitte der sechziger Jahre wurde sie in Dr.-Adenauer-Straße umbenannt. Dies ist die einzige Straße von Tholey, bei der kein gesicherter direkter Bezug zur Ortsgeschichte besteht.
 
Grimostraße
Grimo (Adalgisel) war ein fränkischer Adeliger, der um 600 das Kloster in Tholey (Kollegial-Kloster) auf den Resten eines römischen Bades (2./3. Jh.) gründete, Eine mögliche, aber wahrscheinlich falsche Deutung des Namens von Tholey, hat hier eine seiner Quellen (Tole = Kanal, Ley entspricht Legio = staatlich; Tholey entspricht Staatsbad). Am 30.12.634 findet Tholey seine Erwähnung als "Castrum Theulegio" in dem Testament von Grimo. Diese Urkunde ist die älteste mittelalterliche Urkunde des Rhein- und Mosellandes. In einer Abschrift aus dem 10. Jh. wird sie heute im Landeshauptarchiv Koblenz aufbewahrt.
 
Hermann-Löns-Pfad
Hermann Löns (1866 - 1914) war deutscher Dichter der Romantik aus Westpreußen, der die Lüneburger Heide besungen hat. Früher hieß die Straße "Im Pädche". Dieses wurde basierend auf der lyrischen Ader von Herrn Toni Schneberger, einem Tholeyer Heimatforscher und Verehrer von Hermann Löns, umbenannt. Die Umbenennung erfolgte nach dem letzten Krieg. Auf die Initiative von Herrn Toni Schneberger geht auch der Name Philosophenweg auf halber Höhe des Schaumbergs zurück.
 
Im Hopfgarten
Der Straßennamen rührt von dem gleichlautenden Flurnamen her. Hier soll früher Hopfen angebaut worden sein. Der im Volksmund noch bekannte alte Name "Brauwies" stützt diese Annahme.
 
Im Kloster
Im Koster ist die Straße, die vom Rathausplatz am Benediktiner-Kloster vorbeiführt.
 
Im Matzenecken
Der Name geht zurück auf den jüdischen Matzen, das ungesäuerte Osterbrot (Passhabrot) der Juden. Hier wohnten früher viele jüdische Familien. Auf die Fensterbänke wurden die Matzen zum Kühlen und Trocknen gestellt. Man konnte sie von außen gut sehen. Damals soll die ganze Gegend oberhalb der alten Schule "Matzenecken" genannt worden sein. Die jüdische Gemeinde in Tholey hatte zeitweise 30 Familien, eine eigene Synagoge, eine Privatschule (1874) und einen eigenen Friedhof. Den alten Judenfriedhof findet man auf einer Anhöhe rechts im Wald auf dem Verbindungsweg zwischen Tholey und Theley.
 
Im Steggarten
Dieser Weg wurde 1704 Steigegarten, 1788 Im Steeggarten (Wiese) genannt. Er ist ein Garten im ansteigenden Gelände.
 
Jahnstraße
Die Straße zur Turnhalle und zur Grundschule ist benannt nach dem Turnvater Jahn. Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852) war als deutscher Politiker und Pädagoge Initiator der Turnbewegung in Deutschland. Die alte Schule befand sich am Beginn der Metzer Straße oberhalb des Rathausplatzes und wurde 1994 wegen Baufälligkeit abgerissen. Hier fand man Reste der Hypokausten-Heizung eines alten römischen Hauses. Jetzt finden Sie dort ein modernes Mehrfamilien-Wohnhaus. Die "Neue Schule" lag etwas oberhalb und wurde später zum Freizeithaus.
 
Jugendherbergstraße
Hier befindet sich die ehemalige Jugendherberge von Tholey. Sie war bei ihrer Gründung im Jahre 1928 das erste steinfeste Haus des Jugendherbergverbandes des Saarlandes. 1986 wurde sie geschlossen und dient heute Asylbewerbern als Wohnung.
 
Karolingerstraße
Die Karolinger, Nachfolger der Merowinger, waren ein fränkisches Adels- und europäisches Herrschergeschlecht aus dem Mosel-Maas-Raum. Ihre Vormachtstellung dokumentierte sich im Jahre 800 in der Kaiserkrönung Karls des Großen. Ihr Schutzpatron war St. Mauritius. Der heilig Mauritius ist der Schutzpatron unserer Abtei.
 
Kirchenweg
Der Kirchenweg, die Verlängerung der Bergstraße in Richtung Schaumberg, war für die Bewohner des "Schaumberger Hof" der Weg zur Kirche nach Tholey. Der Schaumberger Hof war früher Herrenhaus, Hof der Burgbesitzer von 383 Morgen Größe. 1723 wurde er vom Amtmann Caspar le Payen gebaut, später abgerissen und ist heute Langzeittherapiezentrum. Die Tholeyer sprechen vom "Kirjeweg".
 
Klostermühlenweg
Er ist benannt nach der früheren Klostermühle, die sich in der Gegend des heutigen Sportplatzes befand. Das Wasser wurde im Bereich der "Muhl" (1788) und des heutigen Spielplatzes in einem Teich gesammelt. Zum Mahlen wurden die Schleusen des Teichs geöffnet.
 
Koblenzer Straße
Moderne Namensgebung nach Städtenamen, ca. 1978; kein unmittelbarer Bezug zu Tholey.
 
Kunostraße
Der Kölner Domprobst Kuno, Ortsheiliger von Tholey, wurde von Köln für Trier ernannter Erzbischof. Die Soldaten des von Trier ernannten Gegenbischofs haben diesen neuernannten, ungeliebten "fremden" Bischof in Ürzig vom Felsen gestürzt. Die Leiche gelangte über Morbach im Hunsrück in das Kloster Tholey, wo er auf Veranlassung des Bischof von Verdun 1066 angemessen bestattet wurde.
 
Mainzer Straße
Moderne Namensgebung nach Städtenamen, ca. 1978. Sie erinnert an die alte Römerstraße, die von Metz nach Mainz führte. Sie kreuzte sich in Tholey mit der Römerstraße von Straßburg nach Trier.
 
Mauritiusring
Mauritius, ein römischer Offizier, stammte aus der ägyptischen Thebais. Als Christ weigerte er sich an der von Kaiser Diokletian befohlenen Christenverfolgung teilzunehmen. Für dieses Vergehen wurde er um das Jahr 300 bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice (St. Moritz in der Schweiz), hingerichtet. Die Gedenkstätte und die Verehrung sind seit dem späten 4. Jh. bezeugt. Am Grab entstand später die Abtei Sankt Moritz. Er wurde zum Schutzpatron der Merowinger und Karolinger. Heute ist er der Schutzheilige der Abteikirche und der katholischen Kirchengemeinde Tholey. Das Freizeithaus St. Mauritius trägt ebenfalls seinen Namen.
 
Merowingerstraße
Die Merowinger, ein fränkisches Königsgeschlecht des frühen Mittelalters, wurden abgelöst durch die Karolinger. Der bekannteste Merowingerkönig Chlodwig I. regierte von 482 bis 511 in Metz. Er wurde
durch Beseitigung der anderen fränkischen Könige und Unterwerfung fast ganz Galliens Begründer des Fränkischen Reiches. St.Mauritius war der Schutzheilige dieses Herrschergeschlechts.
 
Metzer Straße
Die Metzer Straße war 1910 zusammen mit der Trierer Straße die Hauptstraße. Die Metzer Straße erinnert an die alte Römerstraße, die von Metz nach Mainz führte. Sie kreuzte sich in Tholey mit der Römerstraße von Straßburg nach Trier. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Metzer Straße auch "Französisch Gaß" genannt. Später nannte sie sich "Lebacher Straße". Im Rahmen der Gebietsreform 1974 wurde sie in Metzer Straße umbenannt. Am Beginn in Sichtweite des Rathausplatzes findet sich das Geburtshaus von Albrecht Meydenbauer (1834-1921).
 
Meydenbauer Weg
Diese Straße bekam 1980 ihren Namen. Albrecht Meydenbauer wurde am 30.4.1834 in Tholey geboren und verstarb am 18.11.1921 in Bad Godesberg. Als Architekt und Ingenieur war er der Initiator der Photogrammetrie (Raumbildmessung) in Deutschland. Mit Hilfe dieses Verfahrens der Photographie (Meßbildverfahren) mußten historische Gebäude zur Denkmalspflege nicht mehr von Hand eingerüstet und vermessen werden. Die Vermessung erfolgte mit einer besonderen Technik auf der Photographie. Meydenbauer war auch Begründer und erster Leiter der preußischen Meßbildanstalt in Berlin. Sein Geburtshaus liegt am Anfang der Metzer Straße westlich vom Freizeithaus. Im Historischen Museum Tholey (Rathausplatz 6) finden sich weitere Zeitzeugnisse von Albrecht Meydenbauer. Die pflegt sein Erbe mit 20 000 Photographien weiter. Diesem Archiv verdanken wir die ältesten 16 Außenaufnahmen von Tholey 1886. Darunter befindet sich eine Ansicht der Abtei von der Sporstraße aus.
 
Moserweg
Diese Straße bekam 1980 ihren Namen. Moser war der erste Leiter des durch Ländertausch mit Frankreich 1786 entstandenen Oberamtes Schaumburg. Auf seine Anregung hin wurde Tholey zur Stadt erhoben. Der Amtmann Moser hielt in Tholey 1792 die überbrachte Ordnung gegen die Auswirkungen der Französischen Revolution nach Kräften aufrecht und berichtete ständig seinen Zweibrücker Herren über die neuesten Entwicklungen, so daß wir durch ihn ein genaues Zeitzeugnis besitzen. Näheres über sein Alter und seine Lebensumstände sind nicht bekannt.
 
Olga-Schwind-Weg
Diese Straße bekam 1980 ihren Namen. Olga Schwind (1887 - 1979), die Musikantin und Sängerin, wurde in Saarbrücken geboren, verbrachte aber einen großen Teil ihrer Kindheit bei den Großeltern in Tholey. Als junge begabte Saarländerin entdeckte sie die mittelalterliche Musik, die Musica Antiqua, wieder. In Tourneen durch ganz Europa (Rom, Paris, Berlin, London) stellte sie diese Musik auf zeitgenössischen Instrumenten einem breiten Publikum vor. Olga Schwind hatte ihren Alterssitz in der Casa Pineta in Ronco am Lago Maggiore. Die meisten Musikinstrumente und Geräte ihres Musikzimmers sind heute im Historischen Museum Tholey (Rathausplatz 6) zu besichtigen.
 
Peter-Mönch-Weg
Diese Straße bekam 1980 ihren Namen. Peter Mönch wurde 1811 in Tholey in der heutigen Turmstraße 5 geboren. Er verstarb 1884. Als begnadeter Klavierbauer mit den Stationen Tholey, Mainz (Schott), Stuttgart (Nicolai) und Wien (Streicher) stellte er in seiner handwerklichen Blütezeit 15 Tafelklaviere pro Jahr her. Im Historischen Museum Tholey (Rathausplatz 6) finden sich weitere Zeitzeugnisse von Peter Mönch.
 
Petrus-Borne-Straße
Diese Straße bekam 1980 ihren Namen. Der 1910 geborene Petrus Borne war seit 1949 Abt in der Benediktiner-Abtei Tholey. Der Klosterhof auf dem Schaumberg wurde von ihm erworben. Er hatte Sitz im II. Vatikanischen Konzil. Sein Verdienst ist die grundlegende Renovierung der Abtei Tholey.
 
Rathausplatz
Der Rathausplatz hieß früher Marktplatz. Hier befand sich von 1806 bis 1953 das Kantons- später Amtsgefängnis. Von 1879 bis 1954 arbeitete das Königliche Gericht und das Amtsgericht Tholey in der ersten Etage dieses Gebäudes. Im Norden des Rathausplatzes stand bis 1804 an und oberhalb der jetzigen Straßenmauer die Pfarrkirche St. Johannes. Die Ursprünge liegen im Dunkeln. Hier befanden sich auch ein Friedhof und ein Gebeinhaus. Al Erinnerung an das alte Gebeinhaus findet man heute an der Treppe zur Bundesstraße (Grenze: Metzer-Trierer-Straße) drei stilisierte Sandstein-Kreuze in der Stütz-Mauer nach Norden hin. Als Pfarrhaus diente die "Alte Schule", in der nur im Winter unterrichtet wurde.
 
Saarbrücker Straße
Moderne Namengebung nach Städtenamen, ca. 1978. Kein direkter Bezug zum Ort. Man könnte eine Verbindung annehmen, wenn man davon ausgeht, daß Tholey ein Teil des Saarlandes und Saarbrücken die Hauptstadt des Saarlandes ist.
 
Schweichhauser Straße
Die Schweichhauser Straße wird auch "off Schweiss" genannt. Die Straße erinnert an die alte Ortschaft Schweighausen, die im dreißigjährigen Krieg untergegangen ist. Alte Tholeyer kennen die Schweichhauser Straße auch unter dem Begriff "Lemesacht". Die Ortschaft erstreckte sich in südwestlicher Richtung unterhalb des heutigen Klosters im jetzigen Buchenwald nach Engscheid (Sotzweiler) hin. 1617 waren in Schweighausen noch sechs Häuser bewohnt. Heute sind keine Reste mehr bekannt. In einer Steuer- und Abgabenliste von 1519 sind die drei Familien Kormans, Counen und Weber als an den Abt von Tholey abgabepflichtig benannt. In einer Notiz von 1553 findet man unter der Mairie Kastel die Leute der Herren von Dillingen im
Amt Schaumburg:Schweighausen:
    Mathiß Hans Ottiel Schneider Johans - durchgestrichen
    Marthans - durchgestrichen - und Peter sind arm. Randvermerk: richtig, sie sind arm, sie haben kein Brot zu essen. Denn er ist wirklich arm. Zugezogen.
    In einer Fruchtrechnung im Amt Schaumburg von 1590 findet sich folgender Eintrag: Schweighausen: Cormans Coun, "Wehber" frei, nichts
    Scherff Hans (leistet Abgaben)
    Spaders Clesgen (leistet Abgaben)
    Khue Johan, armer Hirt, nichts,
von 16 genannten Tholeyer Bürgern sind 5 (also ca. 1/3) wegen Armut nicht abgabepflichtig (Darunter auch Spor Jacob).
 
Sporstraße
Der Name ist möglicherweise entstanden aus "Spur" bzw. "Spurenstraße", da sich hier lange Zeit feuchte Äcker mit nicht befestigten Wegen befanden. Auf alten Karten ist der Name nicht genannt. In alten Abgabe und Steuerlisten findet sich zweimal der Name Sporens als Bezeichnung von Bauern, die hier wohnten. Die letzte Namensnennungen finden sich 1567 in Form von Sporens Mareichen, benannt in einer Steuer- und Abgabeliste als "Leute des Herzogs von Lothringen", und 1588 Sporens Jacob, Besitzer mehrerer Äcker, die wahrscheinlich im Gebiet der heutigen Sporstraße lagen. In einer Namenliste unserer Gegend wird der Name Sporstraße nur in Tholey geführt. Die Namensentstehung war möglicherweise im 15. Jahrhundert. Hier finden Sie das älteste Bild der Sporstraße (30 Kb)von 1886 von Albrecht Meydenbauer.
 
St. Wendeler Straße
Die St.Wendeler Straße (B 269) ist Hauptverbindungsstraße über Alsweiler nach St.Wendel. An ihrem Beginn gegenüber der heutigen Brennerei Eckert oberhalb des Weihers befand sich früher eine Prozessionskapelle mit sich anschließendem kleinen Barockgarten. Sie ist auf einer Karte von 1788 ausgewiesen. Wahrscheinlich war sie dem Ortsheiligen Theobert gewidmet. Im spitzen Winkel zwischen der Jugendherbergstraße und der St.Wendeler Straße unterhalb der ehemaligen Jugendherberge befand sich früher die Tholeyer Ziegelei, die 1790 erbaut wurde. Die Leute von der Ziegelei hatten einen schlechten Ruf.
 
Theleyer Straße
Die Theleyer Straße (L 135) ist die Verbindungsstraße von Tholey nach Theley.
 
Theobertstraße
Theobert, Tholeyer Ortsheiliger, war im 12. Jahrhundert Mönch in der Abtei Tholey. Er sei als guter Verwalter auch für den Weinkeller zuständig gewesen. Ihm werden verschiedene Legenden zugesprochen. Die Blasiuskapelle, über deren Altar sich ein Bild von ihm befindet, ist ihm gewidmet.
 
Trierer Straße
Die Trierer Straße wurde 1910 zusammen mit der Metzer Straße als Hauptstraße bezeichnet. Nach der Gebietsreform von 1974 hieß sie dann Trierer Straße. An ihrem Beginn im Norden des Rathausplatzes, westlich des heutigen Anwesens Thiry, finden sich vier miteinander verbundene Häuser. Sie zählen mit zu den ältesten Häusern von Tholey. Hier befanden sich im linken Anteil die Zehntscheune, rechts die Meierei. Im äußerst rechten Anteil verfällt ein hervorragendes gotisches Gemäuer und ein ebenso alter Brunnen. In der Trierer Straße 49 standen die jüdische Synagoge und das Badehaus (Verkauf und Abriß 1937).
 
Turmstraße
Diese Straße führt zum Schaumbergturm. Vor der Gebietsreform 1974 hieß sie "Im Matzenecken". In der Turmstrasse 5 ist das Geburts- und Wohnhaus von Peter Mönch (1811 bis 1884),dem begnadeten Tafel-Klavierbauer.

Varuswaldstraße
Die Varuswaldstraße ist eine alte römische Straße, die als Höhenweg von Tholey nach Oberthal führt. Der Name hat keine Verbindung zum römischen Feldherren "Varus", sondern müßte korrekt Wareswaldstraße heißen. Hier hat sich ausweislich ausgiebiger Töpferei-Funde ein großes römisches Heerlager befunden. Der Wald gehörte verschiedenen Lehnsherren, im 18. Jh. den Herren von Dagstuhl.
 
Verduner Straße
Die Verduner Straße ist ca. 1978 nach der französischen Stadt in Lothringen benannt worden. Verdun hatte historisch gesehen enge Klosterbeziehungen zu Tholey. Im Grimo-Testament von 634 wurde das Kollegialkloster Tholey dem bischöflichen Stuhl von Verdun vermacht. Dieses Testament ist das heute älteste uns bekannte Dokument, in dem der Name Tholey genannt wird.
 
Wendalinusstraße
Der hl. Wendelin lebte von ca. 550 bis 617 n. Chr. Er war Einsiedler in den Vogesen. Die Legende macht ihn zum iroschottischen Königssohn und Abt von Tholey. Seit dem 11. Jahrhundert ist sein Grab im Dom von St.Wendel, der 11 Kilometer entfernten Kreisstadt. Er ist der Patron der Bauern. Nach ihm sind in den USA infolge der Auswanderungswellen 16 Orte benannt.
 
Zettinger Straße
Zetting, eine lothringische Gemeinde in der Nähe von Saargemünd, ist seit dem 1. Oktober 1972 Partnerschaftsort von Tholey. Sie ist keltisch-römischen Ursprungs. Zeitweise war Zetting im Einflußbereich der Benediktinerabtei Tholey.
 
Zum Klosterbrühl
Der Name rührt von dem Flurnamen Brühl (früher Briehl) her. Es handelt sich hierbei um feuchte, fruchtbare Wiesen unterhalb des Klosters. Es war das beste Wiesengelände, das zu einem herrschaftlichen Hofe - hier der Abtei - gehörte, da man zeitweise hier dreimal im Jahr mähen konnte.