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Tholey

 

Syrien

Was hat mich veranlasst, Syrien zu besuchen?
Nach Reisen in die Türkei, Ägypten und Jordanien habe ich mehrere historische Romane verschlungen. Syrien im Spannungsfeld zwischen Ägypten, den Hethitern, später dem Osmanischen Reich, von Mesopotamien, Römern und anderen mehr war und ist sehr vielen kulturellen, wirtschaftlichen und militärischen Einflüssen und Zwängen bis in die jüngste Zeit ausgesetzt. Zudem hatte ich den Eindruck, daß das Bild des Staates Syrien bei uns in einem etwas gefärbten Licht erscheint. Das machte mich neugierig. Es war eine anstrengende Reise über 2600 Kilometer in zwei Wochen - aber diese Reise hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Vieles sollte vertieft werden - aber wo bleibt die Zeit dafür? Am besten durch Lesen und interessierteres Verfolgen der Nachrichten, die Syrien betreffen.

 

Die Reaktion meiner Umgebung auf meinen Entschluss nach Syrien zu fahren, war überraschend. Häufig hörte ich die Antwort: „Dort wird doch geschossen!“. Diese Ansicht ist völlig falsch. Syrien gehört mit zu den sichersten Reiseländern in Nahen Osten.
Land und Leute, Fakten
Die Grenzen werden vom Mittelmeer, der Türkei, dem Irak, Jordanien und dem Libanon gegeben. Etwa 16 Millionen Einwohner wohnen in dem überwiegend von Wüste geprägten Land. Nur etwa 30 Prozent, überwiegend am Mittelmeer und entlang des längsten Flusses Euphrat sind urbar. Neunzig Prozent der Bevölkerung besteht aus Arabern. Es finden sich hier sehr viele Religionsgemeinschaften; einschließlich der Sekten sind es sicher über 30.
Meine Gedanken und Eindrücke
Eine Frage konnte ich bis heute noch nicht beantworten: „War Albrecht Meydenbauer zur Jahrhundertwende nur in Baalbeck (heute Libanon, damals osmanisches Reich), oder hat er auch die nahe gelegene Oase Damaskus und die Wüstenstadt Palmyra besucht?“ Ich werde es noch herausfinden.
Die Reise begann in Damaskus. In Deutschland gibt es viele Legenden um den Damaszener Stahl, dessen Berühmtheit auf die fast unbesiegbaren Schwerter-, Degen- und Messer-Klingen zurückzuführen ist. Die Türkensäbel waren sehr gefürchtet. Damaskus war bis in das 18. Jahrhundert einer der größten Herstellungs- und Handelsplätze für diesen Stahl. Heute ist davon leider nichts mehr übriggeblieben.

 

Dieser Stahl wird heute nur noch an wenigen Stellen weltweit für Sammler von Messern und Schwertern hergestellt, da er in seinen Eigenschaften von anderen Stählen (z.B. 440-C-Stahl, sogenannter Chirurgenstahl) übertroffen wird. Heute wird dieser Stahl überwiegend nur noch in Japan, USA und Deutschland geschmiedet. In der Nähe von Solingen arbeitet und forscht Manfred Sachse, der ein weltweit unumstrittener Experte in der Restauration und Nach-Schmiedung historischer Schwerter ist.

 

Die Menschen, denen ich begegnet bin, waren sehr freundlich, zugewandt, aber nicht aufdringlich, wie in manchen anderen Staaten. Personen-Fotografie stößt in vielen islamisch geprägten Ländern auf erhebliche Ablehnung. Das ist zu akzeptieren. In Syrien haben die meisten Menschen keine Hemmungen sich fotografieren zu lassen. Im Gegenteil, viele treten aktiv vor die Kamera ohne Geld dafür zu verlangen. Bettler sah ich wenige, jedenfalls weniger als in deutschen Großstädten. Insgesamt machten die Syrer einen eher zufriedenen Eindruck, ohne Neid oder Klage - in Deutschland wird wohl mehr geklagt, obwohl wir wesentlich weniger Gründe dafür haben sollten.
Rundreise
Zu einer Rundreise gehört natürlich Hauptstadt Damaskus. DDamaskus eine Oase ist, deren Lebensnerv nur an dem kleinen Flüsschen Barada hängt, hätte ich nicht gedacht. Dieser Lebensnerv beginnt im gebirgigen Antilibanon und versickert in der Wüste. Unvergessen sind die Omayyden-Moschee in der das Haupt Johannes des Täufers liegen soll, das Grab des Saladin, der Besuch im Nationalmuseum, die Gerade Straße, die im Neuen Testament in der Apostelgeschichte (Apg 9,11) bei Saulus Bekehrung zu Paulus Erwähnung findet als auch die weitläufigen Suqs.
Von der mächtigen Kreuzritterburg Krak du Chevalier hat man einen phantastischen Blick in die Weite des Landes. In Ugarit am Mittelmeer kann man den Spuren des ersten Alphabets auf Tontafeln folgen. Die Handelsmetropole Aleppo mit der dominanten Zitadelle lässt noch heute die Macht dieser alten Stadt erahnen. Unterwegs trifft man inmitten fruchtbarer Felder immer wieder auf große Tells, hohe Lehmhügel, manchmal mit neueren Gräbern oder kleineren Häusern spärlich bedeckt. Dabei handelt es sich um die Reste untergegangener Stadtkulturen, die heute erst zu 15 Prozent erforscht sind. Der berühmteste ist der Tell Ebla/Mardikh. Heute wie in der Vergangenheit bestehen viele Häuser aus Lehmziegeln mit flachen Dächern. Wände und Dächer werden mit einer Mischung aus Lehm und Stroh verputzt. Wenn die Gebäude einstürzen oder verlassen werden, entfernt man die hölzernen Dachsparren. Übrig bleibt ein kleiner flacher Lehmhügel. Da Jahrhunderte lang immer auf den selben Stellen gebaut wurde, bildeten sich hohe Hügel. An der Grenze zur Türkei finden sich die sogenannten Toten Städte mit dem Simeons-Kloster (Säulenheiliger). Auf dem Weg dorthin treffen Sie über vier Kilometer auf sehr gut erhaltene Reste einer römischen Straße. Den ersten Kontakt mit dem Euphrat findet man am leichtesten am Assad-Stausee, einem riesigen Trinkwasserreservoir. Wasser ist und wird in Zukunft wohl eines der drängensten Probleme Syriens sein. Dieses Problem hat Syrien mit Jordanien gemeinsam. Am Euphrat entlang, zum Teil auch etwas in der Wüste gelegen, finden sich immer wieder eindrucksvolle Zeugnisse von prachtvollen Städten und Burgen. Kurz vor der Grenze zum Irak treffen Sie auf die Reste Mari, eine alte Königsstadt, die bereits 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung eine große Rolle im mesopotamischen Reich gespielt hat. Auf dem Rückweg nach Damaskus treffen Sie nach etwa 250 Kilometer flacher Wüste und Steppe auf die Oase Palmyra, der legendären Stadt der Königin Zenobia, mit Tempeln, Säulenstraßen und den Nekropolen (Turmgräber und unterirdische Gräber). Die heute etwa 50 000 Einwohner zählende Oase erhält ihr Trinkwasser aus Tanklastwagen, da hier das Grundwasser gerade eben zur Versorgung der Vegetation in den Gärten mit Palmen, Oliven, Granatäpfeln, Zitronen und anderen Gewächsen reicht. Danach geht es weiter wieder 250 Kilometer durch Wüste und Steppe zurück nach Damaskus.
Vieles habe ich jetzt nicht angesprochen: die Drusen, Armenier, Golanhöhen, Hama, Bosra und anderes mehr. Es lohnt sich, all dies selbst aus Büchern und vor Ort zu erforschen - und sich ausreichend Photomaterial mitzunehmen.
Syrien im Internet
Weitere Informationen zu Wirtschaft Wissenschaft und Tourismus finden Sie unter http://www.syria-net.com/.